Damals

 

 

 

 

 

 

Wer könnte "Damals" nicht besser zum Ausdruck bringen als Mariele - meine erste Puppe - die mich von der Kinderwagenphase bis heute begleitet hat. Mariele ist eine Schlenkerpuppe, d. h. ohne Anlehnen fällt sie um. Sie ist wie ich: Ich brauch auch etwas fürs Kreuz!

 

In "Damals" werde ich in chronologischer Reihenfolge von früher erzählen, was durchaus ein Fortsetzungsroman werden könnte. Was früher "Die Guldenburgs" waren, sind heute "Die Didiés".

 

Früher haben Großeltern und Eltern viel und gerne von ihrer Jugend erzählt und damit bisweilen ihre Enkel gelangweilt, vor allem wenn die Enkel die Geschichten später auswendig daher sagen konnten. Diese Geschichten wurden oft mit der Bemerkung "Früher war einfach alles besser." beendet. Doch so weit will ich nicht gehen. An "früher" gibt es einiges, was mir gefällt. Doch dazu später mehr.

 

Der Gedanke von früher zu erzählen kam mir, als ich mein Multifunktionszimmer aufgeräumt und neu geordnet habe. Dabei sind mir alte Fotos und Fotoalben in die Hände gefallen. Und in diesem Zusammenhang die ganzen alten Geschichten von dem "enfant terrible" Gunda.

Meine Großeltern väterlicherseits anlässlich eines Festes vor ihrem Haus in der Neugeländstraße in Saarbrücken. Oma und Opa waren stolze Eltern von 6 Mädchen und 3 Jungen (Onkel Fritz fehlt auf dem Foto, weil er wahrscheinlich das Foto gemacht hat). Opa war Schlossermeister mit eigenem Betrieb, der später von seinem Sohn Fritz und danach von dessen Sohn übernommen wurde und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Ich habe noch seine Taschenuhr mit Gravur für 25 Jahre treue Feuerwehrdienste. Die Stadt Saarbrücken hat seinen Namen "Didier" geschrieben, was ihn und später mein Vater sehr betrübt hat.

Gottseidank wird man als Kind langsam an die Familie herangeführt, was durchaus von Vorteil war. Nicht zu vergessen: Alle 9 Kinder haben geheiratet und hatten zwischen 1 und 3 Kindern. Dies bedeutet jede Menge Kusins und Kusinen.

 

Doch zurück zu diesem Foto von anno dazumal: Rechts von ihrer Mutter sitzt Tante Lina, die sich Paul Wolf zur Dame seines Herzens auserkoren hat. Er hatte bei seiner Heirat mit der ältesten Didié Tochter einige Jahre mehr auf dem Anzugrücken, was man ihm auch ansah. Irgendwie kenne ich ihn nicht anders als weißhaarig, und er war mir sehr unsympathisch. Gesellschaftlich gesehen war er das, was man besser gestellt nennt. Er war Inhaber des Haushaltswarengeschäfts Jean Gläser in Saarbrücken, das früher dort war, wo heute Karstadt steht.

 

Bei Jean Gläser konnte die junge Braut und angehende Hausfrau alles finden, was zur Erstausstattung eines perfekten Haushalts gehörte: Porzellan, Keramik, Gläser der ganz großen Marken, Töpfe und Pfannen, Koch- und Brennherde und Einmachgläser von Weck. Durch ihre Heirat mit Onkel Paul stieg Tante Lina, in die feine Saarbrücker Gesellschaft auf, der Doktoren, Regierungsräte und Fabrikbesitzer einschließlich ihrer überkandidelten Frauen angehörten.

 

Den Platz neben Tante Lina nimmt meine Patentante Tilly (eigentlich Mathilde und mein 2. Vorname) ein, die Paul Keime nach ihrer Heirat nach Metz in Frankreich folgte, wo sie bis zu ihrem Tode gelebt hat. Sie war eine außergewöhnliche Frau und meine absolute Lieblingstante, weil sie so herrlich schräg war. Daneben Tante Luzie, zu der ich nicht viel sagen kann, außer dass sie mir nie wirklich sympathisch war. Rechts außen der unauffällige Onkel Karl, den sich Tante Malchen geangelt hat, und der der Kleinste und der Unauffälligste aus der Reihe der Didiés war.

 

Kommen wir also zu den Kindern, die links von meinem Großvater sitzen: Tante Marga, eine tragische Figur, die früh von ihrem Mann verlassen wurde und darüber in Schwermut verfiel, was sie in die aufnahmebereiten Arme der neuapostolische Kirche trieb. Daneben Tante Dore, meine zweitliebste Tante und Else (unser Els), die ebenfalls gen Frankreich zog, genauer gesagt nach Sarreguemines, was nicht so weit von Saarbrücken entfernt ist. Und ganz links der Didiésche Nachzügler mein Vater, der Kurddi (Kurt) und absoluter Liebling seiner Schwestern. Hinter ihm steht übrigens meine Mutter.

 

Und damit Oma nicht die Geburtstage ihrer Lieben vergisst, habe ich dieses wichtige Dokument mit ihrer Handschrift gefunden:

Kommentare

Diskussion geschlossen
Es sind noch keine Einträge vorhanden.